Donnerstag, 28. August 2014

Neulich in der Stadt

"Ey, isch hör' Einaudi!" - "Ja klar, und ich 'nen BMW! Wir sind hier in 'ner Großstadt!"
Nach diesem freundlichen Wortwechsel ging ich weg von der kleinen Gruppe Halbstarker, die hatten doch einen Schaden! Jetzt schon im Stadtlärm Autos von anderen über den selbigen Lärm zu unterscheiden. Pff.
Erstaunlich war dann jedoch, als ich hnterher doch noch meinen BMW hörte - nur, dass es eben keiner war, sondern Einaudi. Also Ludovico. Der junggebliebene Komponist und Pianist eben. Und der fällt tatsächlich auf, wie seine Tönchen aus dem Fensterchen mit den Blümchen am Straßenrändchen klingen.
Tja, hab ich denen eben Unrecht getan, macht ja nichts. Dann geht man halt wieder zurück und entschuldigt sich.
"Hey, sorry, vorhin hab ich was überreagiert. Einaudi hab ich dann auch gehört, woher kennste den denn?", frage ich kleinlaut, nachdem mich die Minimeute doch noch nicht zerfleischt hat.
"Ey, sei mal still, Altaah!" Alter? Frechheit! Nichtmal dreißig bin ich! Nichtmal ansatzweise! Aber es geht weiter: "Isch seh' ihn! Krass! Isch seh Einaudi! Hatt'isch doch Rescht, oder was?"
Jetzt war ich baff. Hab ich ein Konzert des Maestros etwa verpasst? Hier, in meiner Stadt? Das kann nicht sein. Das wüsste ich. Zumal das große Plakat mit den Veranstaltungen direkt um die Ecke hing - und da war der nicht drauf.
Jetzt könnte man meinen, vielleicht ist er nur zu Besuch. Aber falsch gedacht: Nicht in meiner Stadt. Da kommt man nichtmal zu Besuch, um ein Grab zu pflegen. Outsourcing ist das Stichwort.
Scheinbar wurde meine Stadt outgesourct, wurde mir dann klar. Aber das ist ein anderes Thema. Erstmal zurück zum Knirps. Also dem Jungen, nicht den gleichnamigen Schirmchen für die Regengüsschen, die kein Lüftchen abkönnen.
Gut, letzteres trifft auch auf den Pimpf zu, aber das muss man ja nicht betonen.
"Du siehst Einaudi? Wo spielt er denn? In einer Wohnung?" - "Spielen? Was geht mit dir, Altaah? Ey! Eeeeeyyyy! Da! Dadadada! Der R8! Voooooll geil, oder was?"

Tja. Hatte ich ihnen wohl doch kein Unrecht getan. Sowas aber auch.

Montag, 18. August 2014

Wörtertod!

Pistolenkönige riechen Macht,
stopfen sie in sich hinein.
Geschriebene Empörungsschreie
- unerhört, kleingekaut.

Ein Planet in Scherben,
Stifte schwirren bruchstückhaft.
Kleinkunst kritisiert kariert
- unerhört, kleingekaut.

Bühnensterben im Dorf,
meinungsfreie Blutlachen,
oberklassiges Gemetzel
- unerhört, kleingekaut.

Wo ist all der Menschensinn?
Brutal verpöhnt, verstümmelt.
Kreative graben tief
- unerhört, kleingekaut.



Auch dieser Ruf mag unerhört verklingen, aber noch schreie ich. Auch in tiefer Trauer einem Forum voller Dichter, dem ich sehr lange sehr verbunden war. Den Planeten (Wenige werden es verstehen) habe ich beim letzten Besuch leider verlassen vorfinden müssen.
Auf der Suche nach einem neuen Forum fand ich leider nur Altbackenes. Versionen aus 2002 und ähnliches, Jünglinge und solche, die es werden wollen. Freilich, das sind Lichtblicke - aber wo sind all die "Alten" hin? All die Bekannten, die ich einmal hatte, konnte ich nicht wiederfinden, mit einigen wenigen Ausnahmen.
Wir sind in einer Zeit angelangt, in der bei der Such nach "Lyrik" bei google ledglich Songtexte kommen. Ich bin traurig darüber, so verfällt die Kunst. Aber noch schreie ich ja.
Und komme aus der Versenkung wieder.


Einen aufrüttelnden Gruß!